Rückblick & Ausblick

Wir blicken zurück auf bewegende Klimaschutzwochen in und um Bonn.

Auf der mit ca. 25.000 Teilnehmer*innen bislang größten Klimademonstration Deutschlands konnten wir am Samstag den 4.11.2017 mit etwa 40 Aktivist*innen aus unseren Reihen und 60 Personen der „Health and Environment Alliance“ (HEAL) einen gemeinsamen Gesundheitsblock bilden und so der Forderung nach einem sofortigen Kohleausstieg eine wichtige gesundheitspolitische Perspektive geben. Mit selbstgestalteten Bannern, einer aussagekräftigen Street-Performance mit schwarz-rauchender Weltkugel und hustenden Patient*innen und spontan-gereimten Liedern a la „Kohle, Kohle macht krank, in der Lunge und im ganzen Land“ haben wir auf die vielseitigen gesundheitlichen Auswirkungen der Kohleverbrennung durch Luftverschmutzung und Klimawandel aufmerksam gemacht (zum Video ab min 00:46). Es war deutlich zu bemerken, dass sich die versammelten Menschen und Passant*innen für diese sehr greifbaren Effekte interessierten – unsere gerade noch rechtzeitig eingetroffenen Flyer waren nach wenigen Stunden vergriffen und bildeten einen Einstieg für viele informierende Gespräche. Wir haben uns riesig gefreut, dass alles so gut geklappt hat, und sehen die Aktion als Start in ein längerfristiges Unternehmen.
Am Sonntag fand dann im rheinischen Braunkohlerevier „Ende Gelände“ statt, eine Großaktion zivilen Ungehorsams zur symbolträchtigen Blockade der Infrastrukturen des Tagebaus Hambach von RWE. Diese bewirkten neben medialem Aufsehen auch einen Stillstand der Braunkohlebagger für mehrere Stunden. Aufgrund von direkter Repression und Polizeigewalt wurden hierbei einige Aktivist*innen durch Pfefferspray, Schlagstöcke und Pferdetritte verletzt. Wie sonst auch, wurden die „Ende Gelände“ Proteste glücklicherweise von engagierten Sanitäter*innen begleitet und unterstützt.
EG-Nov17
Im Rahmen unseres Workshops zum Thema „Klimawandel & Gesundheit“ am Montagabend konnten wir mit rund 25 Teilnehmer*innen ins Gespräch kommen und die gravierenden und global äußerst ungerecht verteilten gesundheitlichen Auswirkungen des Klimawandels diskutieren. Am Workshop besteht großes Interesse, sodass schon drei neue Termine in verschiedenen Städten stehen und wir versuchen werden, diesen öffentlich zugänglich zu machen und um eine klare politische Haltung zu ergänzen.
Nun neigt sich die 23. Weltklimakonferenz (COP23) dem Ende zu, das Thema Gesundheit scheint für die offiziellen Delegierten jedoch noch kein zentraler Punkt zu sein. Während des Climate and Health Summit am Samstag, dem größten gesundheitspolitischen Event rund um die COP, suchten wir vergeblich nach einem systemkritischen Ansatz in den Narrativen von internationalen Organisationen wie der WHO. Die Diskussionen schrammten jedoch oft haarscharf an klaren Aussagen zu wirtschaftspolitischen Strukturen vorbei. Unserer Meinung nach ist es eine große Chance, in diesen Diskurs wissenschaftlich fundierte Systemkritik anhand von gesundheitlichen Auswirkungen einzubringen und relativ unmittelbar auf hoher politischer Ebene Anklang finden zu lassen – unter anderem, weil sich hier bisher wenige Menschen wirklich effektiv engagieren. Teilweise gelang uns dies schon am Sonntag bei einem informellen Treffen der neu gegründeten Deutschen Allianz Klimawandel und Gesundheit. Verschiedene Personen und Institutionen aus dem deutschen Gesundheitssektor haben sich über eine Strategie ausgetauscht, um die gesundheitliche Perspektive auf den Klimawandel in öffentliche und politische Debatten einzuführen. Hier konnten wir unsere Gedanken einbringen, wie man den gesundheitlichen Hebel für eine dringende Transformation hin zu einer gerechteren Klimaschutzpolitik nutzen kann.
Wir wollen die Energie der letzten zwei Wochen nutzen, um mehr Menschen in den Diskurs rund um Klimawandel und Gesundheit einzubeziehen. Dazu werden wir weitere Workshops halten und Interessierten zur Verfügung stellen, damit sie selbst aktiv werden können.

Weiterhin gilt:

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